Klaus Maria Brandauer
Vita

1944 in Bad Aussee (Steiermark) geboren. Er studierte zwei Semester lang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach dem abgebrochenen Studium ging er an das Landestheater in Tübingen, wo er als Claudio in Shakespeares "Maß für Maß" 1963 debütierte. Weitere Stationen seiner Theaterlaufbahn waren das Landestheater in Salzburg (ab 1964), das Schauspielhaus in Düsseldorf (ab 1966) und dann 1968 Wien. Am Theater in der Josefstadt spielte er in Fritz Kortners letzter Inszenierung, Lessings "Emilia Galotti" (1970), die Rolle des Prinzen Hettore Gonzaga.

Seit 1972 gehört Klaus Maria Brandauer dem Ensemble des Burgtheaters an. Hier spielte er unter anderem die Titelrollle in Cocteaus "Baccus" (R. Wolfgang Glück, 1972), den Fritz in Schnitzlers "Liebelei" (R. Gerhard Klingenberg, 1972), Schillers "Don Carlos" (R. Otto Schenk, 1973), den Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe" (R. Gerhard Klingenberg, 1975), den Victor in Roger Vitracs "Victor oder die Kinder an der Macht" (R. Hans Neuenfels, 1978), den Hettore Gonzaga in Lessings "Emilia Galotti" (R. Adolf Dresen, 1979), Molières "Tartuffe" (R. Rudolf Noelte, 1980), "Hamlet" (R. Hans Hollmann, 1985), den George in Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (R. Hans Neuenfels, 1991), und Rostands "Cyrano von Bergerac" (R. Sven-Eric Bechtolf, 1999).

Er gastiert regelmäßig in München am Residenztheater und in den Kammerspielen, z.B. als Petrucchio in "Der Widerspenstigen Zähmung" (1972), als Dubedat in Shaws "Der Arzt am Scheideweg" (R. Noelte, 1976) sowie bei den Salzburger Festspielen in Büchners "Leonce und Lena" (1975) und den Figaro in Beaumarchais "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" (1978, beides in der Regie von Johannes Schaaf), von 1983 bis 1988 spielte er dort den "Jedermann".

Sein Wiener Regiedebüt am Theater in der Josefstadt (1973) gab er mit Shakespeares "Wie es euch gefällt". Als Regisseur bearbeitete er Schnitzlers Einakter "Zum großen Wurstel" und "Der grüne Kakadu" (1977) sowie die Tragikomödie "Der einsame Weg" (1980; Bregenzer Festspiele). 1996 inszenierte er Strauß' "Die Fledermaus" in Ludwigsburg. An der Wiener Volksoper inszenierte er 1996 Lehárs "Das Land des Lächelns". Als Gastregisseur arbeitete er 1997 in Meiningen (szenische Bearbeitung des Brahmsschen Liederzyklus' "Magelone") und in Berlin. Dort setzte er am einstigen Amtssitz des NS-Architekten und -Rüstungsministers Albert Speer neben dem Brandenburger Tor mit sich in der Hauptrolle die bejubelte Uraufführung von Esther Vilars Zwei-Personen-Stück "Speer" in Szene (1999 am Almeida Theatre in London). Mit dem Pianisten Lars Vogt veranstaltet er 1998 in München zwei Text-Klavier-Abende mit Auszügen aus Thomas Manns "Doktor Faustus" und Musik von Brahms, Beethoven, Schönberg und Liszt. 2000/2001 war er auf Konzert-Tournee mit "Manfred", "Peer Gynt" und "Egmont".

Filmregie: Seine erste Filmregie (mit sich in der Hauptrolle) war 1989 "Georg Elser - Einer aus Deutschland". 1993 verfilmte er in Personalunion als Drehbuchautor, Regisseur und Darsteller (Magier Cipolla) die Thomas-Mann-Novelle "Mario und der Zauberer".

Filmrollen u. a. in: "The Salzburg Connection" (1972), Shakespeares "Was ihr wollt" (1973), "Der Widerspenstigen Zähmung" (1974), "Das Konzert" (1975), "Darf ich mitspielen?" (1976), "Die Babenberger in Österreich" (1976), "Die Bräute des Kurt Roidl" (1978), Hendrik Höfgen in "Mephisto" (R. István Szabó, 1981), "Der Weg ins Freie" (1983), "Detsky sad" (1983), "Sag niemals nie" (1983), "Der Snob" (1984), "Quo Vadis?" (1985), "Out of Africa" (R. Sidney Pollack 1985), "The Lightship" (1985), "Oberst Redl" (R: István Szabó; 1985), "Streets of Gold" (1986), "Das Feuerschiff" (1985), "Hanussen" (R. István Szabó , 1988), "Das brennende Geheimnis" (1988), "La Révolution française" (1989), Lenz in "Das Spinnennetz" (R. Bernhard Wicki, 1989), "Georg Elser - Einer aus Deutschland" (1989; auch Regie), "Das Rußlandhaus" (1990), "Becoming Colette" (1991), "Wolfsblut" (1991), "Felidae" (1994), "Mario und der Zauberer" (94).
Fernsehrollen u. a. in: "Derrick" (1974), "Pfandhaus" (1975), "Roda-Roda" (1982), "Der Snob" (1984), "Quo Vadis" (1984/85), "Der Weg ins Freie" (R. Karin Brandauer, 1984), die Titelrollen in "Rembrandt" (R. Charles Matton, 2001) und "Jedermanns Fest" (R. Fritz Lehner 2002)

1988 rief Brandauer mit Freunden im Salzkammergut die Veranstaltungsreihe "Poesie im Ausseerland" ins Leben.

Auszeichnungen u. a.: Jussi-Preis der finnischen Filmakademie (1981), Bambi (1983), Deutscher Darstellerpreis (1985), Golden Globe und New Yorker Filmkritikerpreis für beste männliche Nebenrolle in "Out of Africa" (1986), Bayerischer Filmpreis (89), Ehrentitel Österreichischer Kammerschauspieler (1989), Filmkunsttheaterpreis in Silber und Filmband in Gold (1990), "Magdeburger Otto" (1993), Andrej-Tarkowski-Preis und Spezialpreis der Jury "Goldener St. Georg" (1995; für "Mario und der Zauberer"), Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv (1996). 1999 wurde er für den Golden Globe in der Kategorie "Beste Nebenrolle" nominiert (für seine Verkörperung des österreichischen Hollywood-Regisseurs Otto Preminger im TV-Film "Introducing Dorothy Dandridge").

1996 wurde Brandauer zum Hochschulprofessor für Rollengestaltung am Max-Reinhardt-Seminar ernannt.


Literatur:

Heiko R. Blum/Sigrid Schmitt, "Klaus Maria Brandauer" (1996).
Veröffentlichungen u. a.: "Das Schwerste ist am leichtesten" (1991), Biographie: "Bleiben tu' ich mir nicht" (1991)


Aktuelle Stücke

Im Dezember 2002 inszeniert Klaus Maria Brandauer am Burgtheater Shakespeares "Hamlet"